7. Arzt-Patienten-Seminar in Mainz
Die anwesenden Ärzte waren: Prof. Dr. med. Dr. h. c. L.-A. Hotze, Dr. med. F. Sojitrawalla sowie Dr. med.
Chantal A. Werner. Die Veranstaltung wurde zum ersten mal von Sanofi-Aventis, Berlin gesponsert.
Prof. Hotze eröffnet das Seminar mit einer Danksagung an den Sponsor und der Vorstellung der gesammelten
Fragen durch eine Power Point Präsentation
Zu Beginn des Seminars kommt die Idee einer Befragung: “Wer hat eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse?“
Die spontane Umfrage ergibt folgende Zahlen:
Mit Ausnahme von 10 Personen (darunter die 3 Ärzte) im Saal haben sämtliche Anwesenden entweder eine
Hashimoto-Thyreoiditis oder einen Morbus Basedow
Der folgende Beitrag unterteilt sich in 2 Teile:
Teil I enthält Fragen, die im Forum gesammelt wurden und während der Veranstaltung beantwortet wurden.
Teil II enthält Fragen, die während des Seminars von den Teilnehmern im Saal gestellt und von den anwesenden
Ärzten beantwortet wurden.
Fragen sind mit dem vorangestellten Kürzel „F:“ gekennzeichnet, Antworten mit „A:“ Die Fragen in jedem Teil
sind fortlaufend nummeriert.
TEIL I
1) Anja
F: „Kann sich Überfunktion in Unterfunktion verwandeln?“
A: Da zur Vortherapie, Art, Dosis und Zeitdauer nichts bekannt ist, ist keine Detailantwort möglich. Grundsätzlich
ist ein Übergang von einer ÜF in eine UF schon möglich, d.h. aus einer Immunhyperthyreose kann eine
AIT (Autoimmunthyreoiditis) entstehen. Bei milder Überfunktion kann ein pflanzliches Thyreostatikum (z.B.
Thyreologes) genommen werden.
2) Monika
F: „Haarausfall und AIT: Hilft T3-Salbe - wegen einer Konversionsschwäche zu T3 dazugegeben?“
A: Unsere Praxis hat keine eigenen Erfahrungen mit der T3-Salbe.
F: Dazu eine Saalfrage: Eine Teilnehmerin nimmt täglich eine viertel Tabl. Thybon 20 ein. Ist die Salbe praktikabel?
A von Dr. Sojitrawalla: Nur bei Haarausfall.
3) Erika
F: „Was unterdrückt TSH eher, T3 oder T4?“
A: T3
4) Ulrike
F: „Hashi und Wechseljahre. Bewertung: Supprimiertes TSH in der Menopause?“
A: Supprimiertes TSH zeigt, dass Hormondosis prinzipiell zu hoch ist. Dies kann Osteoporose begünstigen. Daher
wird es als sinnvoll erachtet, bei menopausalen Frauen vor bzw. unter thyresuppressiver Schilddrüsenhormondosis,
eine Knochendichtemessung durchzuführen. Wenn die Knochendichte normal ist und keine Herzerkrankung vorliegt,
kann TSH supprimiert sein und bleiben, wenn der Patient dadurch Vorteile hat (Befinden). Bei Schilddrüsenkrebs
wird eine suppressive Dosis ohnehin aufrechterhalten.
5) Helga:
F: „Morbus Basedow: welche Therapie?“
A: Standardvorgehen: 1 Jahr Thyreostase, mit Laborkontrollen alle 4 Wochen. Wenn nach 1 Jahr keine Remmission,
Operation oder Radiojodtherapie.
6) Nicole
F:“ Welche Bedeutung haben die postoperativ noch nachweisbarenschilddrüsenspezifischen Autoantikörper
im Serum?“
H: Da nach OP fast immer noch Gewebereste/Zellverbände verbleiben, können Antikörper positiv bleiben,
meistens in geringerer Höhe; da sie SD-spezifisch sind, greifen sie kein anderes Gewebe an.
7) Denise
F: „Gibt es Jodmangelstruma und AIT gleichzeitig?“
A: Ja, ist möglich. Struma diffusa oder nodosa bestehen oft über Jahre, später kann eine AIT dazukommen.
Die Frage nach Jodmangel kann mit einem Urintest auf Jod sicher beantwortet werden.
8) Marina
F: „Gibt es Leberenzymerhöhung bei Überfunktion?“
A: Kommt vor: Ursache: erhöhter Metabolismus; gibt es auch bei hochdosierter Hormontherapie (aber seltener)
und häufiger unter Therapie mit Thyreostatika.
F: „Gewichtszunahme unter L-T4 möglich?“
A: Ja, ist möglich: durch Schilddrüsenhormonzufuhr kann die Insulinresistenz verschlechtert werden.
F: „Maisstärke als Zusatzstoff in Schilddrüsen-Tabletten, gibt es Alternativen?“
A: Gibt es: z. B. das Päparat Berlthyrox (Berlin Chemie) und Lixin Liquid.
F: „Sind Kombipräparate nach OP sinnvoll?“
A: Ja, kann sinnvoll sein, besonders wenn nur geringes Restgewebe übrig ist.
9) Marianna
F: „Kann L-Thyroxin zum Frühstück eingenommen werden?“
A: Besser ist die Einnahme vor dem Frühstück, da sonst Resorptionsbehinderung und schwankende Resorption,
je nach Nahrungsmittel, auftreten kann.
10) Karin (und Saalfrage)
F: „Blähungen im Laufe des Tages nach L-T4-Einnahme möglich?“.
Weitere Saalanmerkung diesbezüglich: Wenn fT4 zu niedrig, dann Blähungen, sonst nicht.
F: Kann man Nahrungsmittelunverträglichkeiten mit Schilddrüsenhormoneinnahme verbessern?
A: Indirekt, durch Verbesserung des Metabolismus möglich.
11) Elke (und Saalfrage)
F: „ Zusammenhang zwischen Levothyroxin-Einnahme (wegen Unterfunktion) und Vorhofflimmern? Gibt es Alternativen
zu Betablockern?“
A: Dr. Sojitrawalla vermutet dahinter eine Reizleitungssystemstörung; Alternativen zu Betablockern: nicht
bekannt.
12) Nadine (und Saalfrage)
F: „ Sollte bei Morbus Basedow Selen gegeben werden?
A: Grundsätzlich ja. Wie bei Hashimoto: 200 µg Selen täglich.
13) Helga
F:“M. Basedow: gehen nach OP AK zurück?“
A: Ja, gehen meist stark zurück. Nach einer OP ist die ÜF garantiert weg; bei den allermeisten Patienten
ist nach OP eine problemlose Einstellung mit Schilddrüsenhormon möglich.
14) Gabi (und Saalfrage)
F: „Ab wann ist TSH supprimiert?“
A: Wenn TSH kleiner 0,1 also z.B. 0,05, spricht man von supprimiert.
15) Christiane
F:“ Wird bei Hashi OP durchgeführt?“
A: Durchaus, wenn dauerhafte Einstellungsprobleme bestehen, kann eine vollständige Entfernung eine konstante
und stabile Dosierung erleichtern.
16) Joachim (und Saalfrage)
F: „Schwindelsymptomatik und Schilddrüse - Zusammenhang ?“
A: Nur bei Funktionsstörungen relevant.
17) Bianca
F: „ Spätschäden durch hochdosierte SD Hormontherapie?“
A: Wenn Nebenwirkungen (Herz, Knochen) auftreten, sollte Dosis reduziert werden, ansonsten keine Spätschäden.
18) Ellen
F: „Muss bei Hashi immer Nebenniere mit abgeklärt werden?“
A: NN Insuffizienz ist selten, muss nicht unbedingt bei jeder SD Untersuchung mit untersucht werden. Wenn: Cortisol
und DHEA morgens, gegen 8.00h Wenn Cortisol Mangel besteht, wird er durch Zufuhr von SD Hormon schlechter – vermehrte
Bildung von Bindungseiweiß, dadurch Absinken des freien Cortisols. Wie wird das behandelt? Zufuhr von Hydrocortisol,
bei M. Addison zusätzlich Mineralcorticoid, z.B. Astonin H.
19) Karin
F:“ Wann kommt es zu TSH Suppression?“
A:Bei hoher T4 Dosis Bei echter Überfunktion Bei vorübergehender Überfunktion (Beginn Hashi) Bei
Beginn einer viralen Infektion (Thyreoiditis de Quervain) Bei Kombipräparaten (fast immer)
20) Katrin
F:“ Weiblicher Hormonhaushalt – wie kann er bestimmt werden?“
A: Durch Messung von FSH, LH und Östradiol.
21) Guchva
F:“ Wann kommt es bei Kinder zu Hashi, ist Jod in Nahrung schuld?“
A: Bei genetischer Disposition (Mutter), weibl. Geschlecht. Die Frage nach Jod ist schwierig zu beantworten, da
die Jodaufnahme über die Nahrung unterschiedlich ist und im Einzelfall nicht bekannt ist (keine Kennzeichnungspflicht).
22) Norbert
F:“ Einfluss von T3 auf TSH; suppr. TSH bei Kindern schädlich?“
A: T3 ist starker Suppressor von TSH; suppr. TSH bei Kindern nicht schädlich.
23) Petra
F:“ Einfluss von Jod nach Schilddrüsen OP?“
A: wenn SD nicht mehr vorhanden, spielt Jod keine Rolle mehr.
24) Gabi #
F:“ Hat Lichtmangel Einfluss auf SD?“ „Gewichtsverlust bei Dosissteigerung?“
A: Nein; hat Einfluss auf Vitamin D Bildung. Gewichtsverlust ist möglich.
TEIL II
1) F:“ Es ist schwierig, eine Thybon 20 Tablette zu vierteln, ist häufig sehr ungenau“
A: Armour Thyroid als Alternative empfohlen.
2) F:“ Wirkt L-T4 dosisabhängig thyreosuppressiv?“
A: Ja, bei entsprechend hoher Dosis unterdrückt L-T4 die TSH Sekretion der Hypophyse.
3) F:“ Hormonhaltige Haarwässer: besteht Gefahr der Wirkung auf innere Organe?“
A: Haarwässer, wie z. B. Effluvium, sind nicht systemisch wirksam, d. h. sie verbleiben in der Kopfhaut; sie
haben daher keinen Einfluss auf innere Organe.
4) F:“ T3-Einnahme: bei einer Halbwertzeit von19 Stunden, wann Blutabnahme?“
A: Zwei bis drei Stunden nach Einnahme, da dann überwiegend an Bindungsproteine gebunden.
5) F:“ Vigantoletten halfen nicht bei Vitamin D-Mangel, Alternative möglich?“
A: Alpha Calcidol oder Rocaltrol, sind potenter als Vigantoletten.
6) F:“ Mein Sohn hat Struma und fT3-Erhöhung – was bedeutet das?“
A: Kann mit Alter und Wachstum zu tun haben, kommt auch bei Jodmangel vor; ggfalls Urinjodausscheidung messen lassen.
7) F:“ Ist geologischer Jodmangel echter Jodmangel?“
A: Der Jodmangel ist in den letzten Jahren durch verschiedene Maßnahmen (jodiertes Tierfutter, Jodsalz) nahezu
verschwunden, d.h. die Nahrungsmittel sind „künstlich“ mit Jod angereichert, so dass der geologische Jodmangel
keine Rolle mehr spielt.
8) F:“ Gibt es einen Einfluss von L-T4 Einnahme auf die Leber?“
A: Ja, ein Transaminasenanstieg ist möglich, insbesondere GPT, weniger GOT und GGT. Anmerkung Herr D´Angelo:
30-40% der Hashis haben wohl eine Fettleber und deshalb auch einen Transaminasenanstieg.
9) Anmerkung eines Teilnehmers: Bei ihr bestehe eindeutig eine dosisabhängige Nahrungsmittelunverträglichkeit
und MDT-Beschwerden unter Levothyroxin-Einnahme.
10) Anmerkung eines Teilnehmers: Sie verspüre Verstärktes Hungergefühl durch Seleneinahme
A: Ist evtl. erklärbar durch zentrale Serotoninstimulation.
11) Herr D´Angelo: F: „Ob und wann ist Selen auf Kasse möglich?“
A (Dr. Sojitrawalla): Kassen erstatten durchaus, ist von der KV-Region abhängig.
12) F: „Wie ist der Zusammenhang: L-T4-Dosis, Insulinresistenz und Selen?“
A: Bereits in Frage 10) Teil II und Frage 8) Teil I beantwortet.
13) F: „Erhöhte AIT-Anfälligkeit bei Blutgruppe 0?
A: Sowohl Blutgruppe 0 als auch Hashimoto-Thyreoiditis sind häufig, d.h. unter Hashi-Patienten sind auch ganz
viele mit 0; inwieweit ein genetischer Zusammenhang besteht, ist nicht bekannt.
14) F: „Zusammenhang zwischen Vitamin E Zufuhr und Unterfunktion?
A: Vitamin E-Gaben können zu einem Schilddrüsenhormonmehrbedarf führen und bei fehlendem Ausgleich
dann zu einem (wenn auch geringen) Mangel führen.
15) Anmerkung eines Teilnehmers: Vitamin E und Gelenkverschleiß. Laut Prof. Miehlke soll angeblich durch
Vitamin E eine deutliche Besserung möglich sein.
16) F:“TSH Erniedrigung und Hashimoto?“
A: TSH spiegelt die Hypophysenfunktion wider, die von Höhe des Schilddrüsenhormons bestimmt wird, d.
h. Dosisabhängig sinkt TSH. Eine hypophysäre Minderproduktion (sekundäre Hypothyreose) ist äußerst
selten.
17) Anmerkung eines Teilnehmers: Der TSH Referenzbereich in Deutschland ist sehr unterschiedlich (Mitarbeiterin
aus dem Klinikum München)
F: „Wieso ist dies so kontrovers? Warum setzt sich der Bereich von 0,3 bis 2,6 nicht durch?“
A: Manche Ärzte haben neuen Bereich übernommen, andere nicht, viele wissen es gar nicht. Es gibt ganz
aktuelle Arbeit (mehrere Deutsche Unikliniken) dazu: sie sagt kurz und bündig: lasst alles beim Alten, Therapie
bei Werten zwischen 2 und 4,5 schadet eher als sie nützt. Ein Rechenbeispiel: In den USA hätten bei Absenkung
des TSH auf 2,5 von 4 statt heute13 Millionen ca. 40 Millionen Menschen eine Schilddrüsenunterfunktion. Ein
amerikanischer Namensvetter von Prof. Hotze, Dr. Steven Hotze aus Houston, hat in einer Fernsehsendung die Absenkung
des TSH Normbereichs gefordert und damit erboste Briefe mehrerer medizinischer Fachgesellschaften an ihn und den
Sender ausgelöst; Inhalt der Schreiben: lasst alles beim Alten.
18) F:“ Bei Verdacht auf T4-Rezeptorresistenzen: Warum keine vorwiegend klinische statt Laborblatttherapie?“
A: völlig richtig.
19) Anmerkung eines Teilnehmers: Zusammenhang: erhöhte Lipide und Hashimoto-Thyreoiditis. Erst mit L-T4-Gaben
trotz Schilddrüsennormwerten sei Lipidsenkung von 500 auf 120 gelungen, als Hinweis auf Endorganresistenz
trotz normaler Schilddrüsenblutwerte!
20) F: „TSH 0,6 und Depressionen unter Amitryptilin-Medikation“
A Herr D´Angelo: „ Ben´s Liste“ aus dem Internet besorgen, dort sind gute Tipps bei Depressionen und
Hashimoto-Thyreoiditis.
21) F: “Konzentrationsstörungen bei Hashi?“
A: Ja, können Symptome (Unterfunktion) bei einer Hashimoto-Thyreoiditis sein.
22) F: „Warum werden so wenig Progesteron und Kortisolbestimmungen durchgeführt?“
A: Es gibt ein Votum für verstärkte Abklärung polyendokrinologischer Zusammenhänge.
23) F: „Frühschwangerschaft, depressive Symptomatik und Hashimoto-Thyreoiditis?
A: In Frühschwangerschaft entsteht nicht selten sog. Schwangerschaftshyperthyreose, durch das Hormon beta-HCG;
es hat ähnliche Wirkung wie TSH, stimuliert also die Schilddrüse, ab dem 4. Schwangerschaftsmonat kommt
es dann meist wieder Stabilisierung des Allgemeinzustandes.
24) F:“ HRT, Pille und Schilddrüsenhormone: nebeneinander möglich?“
A: Ja
25) Erneut Votum aus dem Saal: Pille, Progesteronmangel und Depressionen: Zusammenhang werde zuwenig gewürdigt
ärztlicherseits!
26) F: „Schilddrüsengröße?“
A: Obergrenze bei der Frau: Ca. 15-18 ml, beim Mann: ca. 20-25 ml. Was darüber liegt, wird als Struma bezeichnet.
Echte „Untergrenzen“ gibt es nicht; solange die Funktion in Ordnung ist, ist die Größe unwichtig. Im
zeitlichen Verlauf bei Hashi kann man jedoch häufig eine Verkleinerung, die dann zur Unterfunktion führt.
27) F: „Wo sind Haupt-Nebenwirkungen einer L-T4 und T3-Medikation
A: Herz, Knochen, Gewicht
28) F:“Biochemischer Zusammenhang Nebennierenrinde und Schilddrüse?“. „Separater ACTH-Mangel und im Synakten-Test
geringer Kortisolanstieg Im Synakten-Test basales Kortisol bereits erhöht und kaum/wenig stimulierbar“
A: Laut Lehrbuch ist das Testergebnis nicht unbedingt pathologisch
29) Herr D´Angelo F: „Warum sind Hausärzte so aufgeregt bei thyreosuppressiv-wirksamer Schilddrüsenhormondosis?“
A: Liegt an einer Konsenusempfehlung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin: TSH soll möglichst
nicht supprimiert sein.
30): F:“Der TSH-Basalwert ist bereits bei einer Schilddrüsenhormondosis von 50 µg Levothyroxin täglich
supprimiert!“
A: Kann sein, deutet aber auf bereits vorhandene Autonomie hin.
31) F: „Wie oft Verlaufskontrollen der Schilddrüsen-AK, vor allem des TRAK-Wertes?“
A: Sind sinnvoll vor und bei geplantem Ende eines konservativen Therapieversuches bei Morbus Basedow.
32) F:“ Kann man sich durch Schilddrüsenhormonüberdosierung dann wieder so schlecht fühlen wie bei
einer Unterfunktion?“
A: Ja
33) F: “Mischtyp MB und AIT mit starken Schwankungen der Hormonwerte“
A: Schwankungen in der Schilddrüsenfunktion lassen sich beispielsweise durch Radiojodtherapie beenden.
34) F: “Haarausfall: Welche Ursachen, wenn nicht Schilddrüse?“
A: Zink, Eisenmangel, Hyperandrogenämie bei Frauen
35) F: „DHEA-Mangel, aber 5 mg DHEA-Medikation (weiblich) - macht jedoch noch müder, was tun?“
A: IGF1 bestimmen lassen (Wachstumshormon)
36) F: “Kinder mit AIT: Wo liegt die TSH-Norm?“
A: Im 4. – 5. Lebensjahr werden Erwachsenenwerte erreicht.
37) F: “Kind seronegativ für AIT, TSH = 3,82 und Symptome.“
A: Kontrolle der Schilddrüsen-AK nach einem halben Jahr, 12,5 – 25 µg Levothyroxin-Einnahme, TSH Kontrolle
in 5 Wochen.
38) F:“ Szintigramm: wann notwendig?“
A: Ist heute zwar seltener indiziert, dennoch beispielsweise in jedem Fall bei Schilddrüsenknoten.
39) F: “Welche Bedeutung hat grenzwertiger TRAK-Wert bei AIT?“
A: Befund ist selten (etwa 10% der Fälle), aber kann durchaus zu Mischform mit schwankenden Hormonwerten führen.
40). F: „Kinder und supprimiertes TSH“
A: Bei Kindern ist meist keine thyreosuppressiv wirksame Dosis nötig, aber wenn doch, dann nicht schädlich
41) F: „Erhöhte Talgdrügenaktivität bei erhöhter Thyroxin-/Thybondosis?“
A: Evtl. wegen verstärkter NNR-Aktivität möglich.
42) F: „Wie entscheidet sich, ob hypertropher oder atropher Verlauf bei AIT?“
A: Hyperthrophe Form ist bei Erwachsenen selten; kommt bei Kindern vor, geht dann häufig im Erwachsenenalter
in die atrophe Form über, möglich ist auch eine TRAK-Mitreaktion (Stimulation und Wachstum)
43) F: „Zusammenhang Hashimoto-Thyreoiditis und Altersakne?“
A: Eher andere Ursache, z.B. PCO und Hyperandogenämie
44) Spontanumfrage 18 der Anwesenden im Saal haben noch weitere, zusätzliche Autoimmunreaktionen, d. h. fast
20%
45) F: „Insulinresistenz: Wann ist bei AIT´lern Test darauf sinnvoll?“
A: Kann bei beiden Geschlechter auftreten; Durchführung bei Übergewicht, und bei Frauen: bei Androgenisierungserscheinungen.
46) F: „Bluthochdruck und Schilddrüsenfunktion“
A: Bei normaler Funktion auch an Phäochromozytom denken.
47) F: „Kortisolspeicheltest- Stellenwert?“
A: Soll laut Laborärzten genauer als Bluttest sein.
48) F : „Retardiertes T3 in Deutschland?“
A: Herstellung sollte prinzipiell auch in Deutschen Apotheken möglich sein (Saalanmerkung). Sei wohl mittels
Methocel (in USA) herstellbar.
49) Spontanumfrage: Nur drei Anwesende aus dem Saal nehmen bisher Armour Thyroid!
50) F: „Schilddrüsenhormonantikörper - Stellenwert?“
A: Sehr selten; dran denken, bei unstimmigen Laborergebnissen
51) F: „Endokrine Orbitopathie bei Hashimoto?“
A: Wenn TRAK positiv, dann möglich.
52) F: „Prävalenz der AIT in Deutschland?“
A: In den USA gibt es sehr solide Daten. Die Prävalenz von TPO AK liegt bei 11.3%; allerdings ist die Häufigkeit
bei der weißen Bevölkerung mit 12.3% höher als bei den Afroamerikanern (4.5%). Der weiße
Bevölkerungsanteil liegt bei 82%, das sind absolut ca. 250 Millionen; der schwarze Bevölkerungsanteil
liegt bei 13%, das sind absolut ca. 40 Millionen. Damit beträgt die absolute Zahl TPO positiver weißer
Personen ca. 30 Millionen (12.3% von 250 Millionen) und die schwarzer Personen ca. 1.8 Millionen (4.5% von 40 Millionen).
Das Geschlechtsverhältnis der Prävalenz ist ungefähr 1:10 (Mann: Frau), das Geschlechterverhältnis
in der Population hingegen ungefähr 50:50 (ca. 125 Millionen Frauen) Zählt man ca. 10% der weißen
männlichen Population zu der Stichprobe von 125 Millionen hinzu, erhält man eine Stichprobe von 135 Millionen;
rechnet man mit diesen Zahlen, ergibt sich eine Prävalenz von ca. 23% für weiße Frauen; da das
Vorkommen der Antikörper über alle Altersschichten verteilt ist, sind auch rund ein Viertel der Frauen
mit Kinderwunsch potentiell von einer Unterfunktion betroffen, die ja bekanntermaßen eine Spontan-Schwangerschaft
verhindern kann. Die Zahlen sind sicher in guter Näherung auf Deutschland übertragbar.
53) F: „ Zusammenhang Fibromyalgie und AIT und Unterfunktion?“
A: Wenn Tenderpoints pos. und AIT mit Unterfunktion: dann Fibromyalgiesymptome potenziert!
54) F: „Bedeutung der ASR (Achillessehnenreflexzeit)?“
A: Klinischer Test zur Prüfung Nervenleitgeschwindigkeit Guter Test, mit der bei Fragen der Dosisfindung eine
direkte Wirkung des Schilddrüsenhormons im Körper (auf die Nervenzellen) gemessen werden kann.
55) Anmerkung eines Teilnehmers: Unter Kombipräparat weniger rheumatische Beschwerden (hat Herthooge Buch
gelesen) Unter Lixin Liquid (100 µg) und Thybon (25 µg) anstelle zuvor Thyreotom (100/25): Nur unter
diesen beiden Alternativen war Wohlbefinden eingetreten, nicht jedoch unter Monopräparaten.
56) F: „Prothyrid Einnahme Schema: 0,5-0-0,5. Nachmittägliche Nüchtereinnahme ist schwierig.“
A: 30-60 Minuten Warten nach dem Essen reicht für ausreichende Resorption.
57) F: Sublinguale Thyroxineinnahme empfehlenswert?
A: Resorption ist schlechter.
58) F: „Wegen Ösophagitis soll Tablette zum Frühstück und nicht vor dem Frühstück genommen
werden“
A: Wenn standardisiertes Vorgehen (gleicher Zeitpunkt, gleiches Essen), kann es gehen.
59) F: „SSRI (z.B. Cipralex) und L-Thyroxin?“
A: Kein Einfluss auf die Resorption von Thyroxin.
60) F: „Selen und L-Thyroxin morgens zusammen?“
A: Besser Thyroxin und Selen getrennt einnehmen.
61) F: „Einfluss von Betablocker auf Thyroxin?“
A: Außer bei Propranolol ist keine Schilddrüsenhormonbeeinflussung bekannt.
62) Anmerkung eines Teilnehmers: Hat fälschlicherweise wegen Bluthochdrucks Concor eingenommen, Depressionen
bekommen, jetzt Ausschleichen von Concor schwierig. Tatsächlich war Schilddrüsenfehlfunktion Ursache,
nach Ausgleich Besserung.
63) F: „Cipramil (Citalopram): Welcher Einfluss auf TSH?“
A: Viele Psychopharmaka hemmen Hypothalamus/Hypophyse, häufig verbunden mit TSH-Erniedrigung; im Einzelfall
kann ein Schilddrüsenhormonmehrbedarf bestehen, wenn Einnahme nicht bekannt ist. Eigentlich würde erniedrigtes
TSH eine beginnende Überfunktion vermuten lassen, es ist aber tatsächlich die Konstellation einer sekundären
Hypothyreose. Ohne TSH Stimulation beträgt die basale Schilddrüsensekretionsleistung etwa 60-70%.
64) F: Wird unter Armour Thyroid Einnahme der TSH-Wert supprimiert?“
A: Ja, Dosisabhängig kommt es zur TSH Suppression.
65) F: Chronischer Kopfschmerz und Hashimotothreoiditis
A: Dr. Sojitrawalla vermutet Quecksilber in den Zähnen als Ursache. Anmerkung eines Teilnehmers: Spannungskopfschmerzen
evtl. auch durch Unterdosierung wegen Nackensteife möglich.
66) F: „SD-Krebs durch Tschernobyl Unglück?“
A: Prof. Reiners, Nuklearmediziner aus Würzburg hat sehr viel dazu geforscht und publiziert: Nur Kinder zwischen
vier und sechs Jahren, die in unmittelbarer Umgebung lebten sind erkrankt: die Zahl stieg um das bis zu 200fache.
Glücklicherweise konnten alle Kinder geheilt werden, auch unter Mithilfe von Reiners, der dafür Spenden
gesammelt hatte, und viele Kinder in seiner Klinik umsonst behandelt hat. In Deutschland ist die Zahl der SD Krebserkrankungen
nach 1986 nicht gestiegen. Dr Sojitrwalla: Neben I-131 (HWZ:8 Tage) ist auch das sehr langlebige Cesium (Cesium-134
HWZ:2 Jahre; Cesium 137 HWZ: 30 Jahre) in Deutschland in die Böden gelangt. Dort kam es über Pflanzen
und Pilze auch in Wildtiere und damit auch in Menschen. Ob dadurch vermehrt Krebs ausgelöst wurde, lässt
sich nicht sicher recherchieren.
67) Herr D´Angelo F: „Er zitiert Prof. Grußendorf: Der sagt, jeder Dritte in Deutschland hat einen
Jodmangel?“
A: Es herrscht hier sicher etwas Verwirrung. Richtig ist, dass rund ein Drittel der Bevölkerung noch Folgen
des früheren Jodmangels (Kröpfe, Knoten) hat. Da die Bevölkerung immer älter wird, wird es
sicher noch lange Menschen geben, die Folgekrankheiten des bis in die 90er Jahre hinein bestehenden Jodmangels
entwickelt haben. Richtig ist aber auch, dass offiziell – nach WHO – Deutschland seit 2004 eine optimale Jodversorgung
aufweist. Damit hat der AKJ eigentlich seine Daseinsberechtigung verloren.
68) F: „Gibt es heute überhaupt noch Jodmangestrumen bei Kindern in Deutschland?“
A: Die Zahl der Kröpfe bei Kindern ist drastisch zurückgegangen. Beispiel: Die Inzidenz der Neugeborenenstruma
ist von 10% (1996) auf 1% (2006) gesunken.
69) Kritik von Teilnehmern: Schilddrüsensonographie werde von den Ärzten oft nicht qualifiziert beurteilt!
70) F: „Lymphom und AIT – Zusammenhang?“
A: Sowohl in der Praxis Sojitrawalla (sehr lange Berufserfahrung) als auch in der Praxis Hotze (lange Berufserfahrung)
ist jemals ein Fall eines Lymphoms bei AIT gesehen worden.
71) Anmerkung eines Teilnehmers: Strumigene Substanzen in der Ernährung als Ursache für Struma neben
der Jodmangelstruma sollten nicht vergessen werden, vor allem bei Kindern (z.B. Nitrate im Trinkwasser, Kohlgemüse
etc.)
72) F: „Kann durch frühzeitige L-T4-Gaben der AIT-Verlauf dahingehend begünstigen, dass sie evtl. sogar
fast gestoppt wird?“
A: Es ist unklar und unbekannt, inwieweit dadurch, z.B. bei Kindern hypertrophe AIT-Form „ausheilt“.
73) F: „Unbehandelte Hypothyreose bei AIT: wann symptomatisch?“
A: Ist individuell sehr unterschiedlich. Grundsätzlich scheinen Männer längere Kompensationsmöglichkeiten
zu haben. Frühsymptome sind häufig: trockene Haut, Haarausfall, Konzentrationsschwierigkeiten, Antriebsschwäche,
Frieren.
74) F: „Zusammenhang zwischen Leptin und rT3-Konzentration?“ Zusammenhang: Leptinresistenz und Insulinresistenz!
Buchtipp dazu aus dem Saal: Byron Richards: „Mastering Leptin: The Leptin Diet, Solving Obesity and Preventing
Disease.” Link: http://www.amazon.com/gp/product/0972712119/qid=1149878583/sr=1-4/ref=sr_1_4/104-9214293-2528713?s=books&v=glance&n=283155
A: Bei adipösen AIT´lern ist eine zusätzliche T3-Gabe evtl. problematisch wegen drohender Zunahme
einer bereits vorbestehenden Insulinresistenz. Schilddrüsenhormon kann eine bereits bestehende Insulinresistenz
verschlechtern, so dass im Gegensatz zur gängigen Meinung – bei Überversorgung mit Hormon sinkt das Gewicht
– genau das Gegenteil eintreten kann. Die Insulinwirkung an den metabolisch wirksamen Muskelzellen sinkt, Kohlehydrate
werden vermehrt in Speicherfett umgewandelt. Daher: bei T3 Zusatz müssen Vor- und Nachteile gegeneinander
betrachtet werden: Nachteile v. a. D. auf Herz und Gewicht. Dazu Anmerkung eines Teilnehmers: T3-Einnahme macht
bei ihr vermehrtes Hungergefühl. A: Das bedeutet, dass Insulin im Blut vorhanden ist, aber schlechter verwertet
wird und signalisiert – Kohlehydrate werden benötig. Diese werden aber aufgrund der behinderten Wirkung an
den metabolisch aktiven Zellen nicht in Energie umgesetzt. F: „Behandlung der Insulinsresistenz?“ A: Metformin,
anfangs 2 x 500 mg pro Tag, Steigerung bis auf 4 x 500 mg möglich. Metformin wird auch bei Kinderwunsch und
PCO Syndrom eingesetzt. Bei PCO besteht häufig eine Hyperandrogenämie, die fast immer mit einer erhöhten
Insulinresistenz verbunden ist. In der Endokrinologie der Uni Essen (Prof. Jansen, Ansprechpartner) wird derzeit
eine Studie zu PCO, Kinderwunschpatienten und Metformin durchgeführt..
75) F: „Metformin: Wie lange Einnahme bevor Effekt auf das Gewicht ?“
A: Drei bis sechs Monate.
76) Abschließend: Erörterung und Diskussion der unterschiedlichen Maßnahmen zur Bestimmung der
Insulinresistenz und der Möglichkeiten einer Gewichtsreduktion: Themen: Oraler Glucose Belastungstest mit
Bestimmung von Glucose und Insulin inkl. Interpretation der Ergebnisse, Lipidprofil, BMI, Kalorienreduktion, Kalorienmehrverbrauch,
Ernährungsumstellung, körperliches Training, medikamentöse Begleittherapie.
Genau 100 Fragen (24 in Teil I und 76 in Teil II) zu unterschiedlichen Themen im Zusammenhang mit der Hashimoto-Thyreoiditis
bildeten die Grundlage des diesjährigen, mittlerweile 7. Wiesbadener Arzt-Patientenseminars.
Die Vielfalt der Themen zeigt die Komplexität des Krankheitsbildes und macht deutlich, dass die Erkrankung
– zumindest für einen Teil der Betroffenen - eben nicht „harmlos“, „unproblematisch“, „kriegen wir leicht
in den Griff“ ist, wie viele Betroffene – glaubhaft – von vielen Ärzten gehört haben. Die Probleme reichen
von der – oft - verspäteten Diagnosestellung mit Problemen, eine adäquate Dosierung aufzubauen, der Dosisfindung
generell, begleitenden anderen Autoimmunerkrankungen, Interferenzen mit anderen Hormonsystemen - insbesondere das
weibliche Hormon Östrogen bei Kinderwunsch, Schwangerschaft und Menopause - bis hin zum Themenkomplex des
(zu Recht) gefürchteten Übergewichts - und – weiterer äußerst unangenehmer Erkrankungen wie
Diabetes, Hyperlipidämie und metabolisches Syndrom, die ihrerseits wiederum Grundlage für Folgekrankheiten
(Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenversagen etc.) sind.
Protokoll und Text: Frau Dr. Werner und Prof. Hotze